Schlechte Führung ist kein Personenproblem

Three men in office attire expressing emotion in a corporate setting.

Schlechte Führung ist oft kein PERSONALPROBLEM - es ist das System.

Über die Illusion, dass die richtige Führungspersönlichkeit alles löst — und was wirklich dahintersteckt.

Es gibt eine Überzeugung, die sich hartnäckig in Organisationen hält. Sie klingt einleuchtend. Sie fühlt sich richtig an. Und sie kostet Unternehmen jedes Jahr Millionen.

Die Überzeugung lautet: Wenn wir die richtige Person in die richtige Führungsrolle setzen, läuft es.

Also suchen wir. Wir entwickeln Kompetenzprofile. Wir investieren in Trainings. Wir coachen. Wir fördern. Und wenn es trotzdem nicht läuft — tauschen wir die Person aus und fangen von vorne an.

Klingelt da was?

Das Experiment, das alles erklärt.

Es gibt einen klassischen Sozialpsychologie-Versuch:
Mehrere Gruppen bekommen dieselbe Aufgabe.
Jede Gruppe arbeitet in einem anderen Raum —
mal eng und laut, mal geräumig und ruhig, mal mit klaren Regeln, mal ohne.

Das Ergebnis: Die Resultate der Gruppen unterscheiden sich dramatisch.
Nicht wegen der Menschen. Wegen der Umgebung.

Übertragen auf Führung bedeutet das:
Das System, in dem jemand führt, beeinflusst das Ergebnis mehr als die Führungsperson selbst.

Das ist keine Ausrede. Das ist Systemforschung.

Inhalt

Was systemische Führung wirklich bedeutet

Systemische Führung bedeutet nicht, dass Personen keine Rolle spielen. Sie spielen eine enorme Rolle. Aber sie spielen diese Rolle in einem Kontext — und dieser Kontext verstärkt oder begrenzt ihre Wirkung.

Dieser Kontext hat sechs Dimensionen:

  • Rollen:Wer darf was entscheiden — und wer weiß das auch wirklich?
  • Verantwortung:Wer trägt was — vollständig, ohne stilles Veto von oben?
  • Entscheidungswege:Wo laufen Entscheidungen zusammen — und warum immer an denselben Stellen?
  • Kommunikation:Wo wird wirklich entschieden — im Meeting oder danach im Flur?
  • Erwartungen:Was wird offiziell gefordert, was heimlich belohnt — und passt beides zusammen?
  • Zusammenarbeit:Kooperieren Bereiche — oder konkurrieren sie strukturell, ohne es zu wollen?

Wenn auch nur eine dieser Dimensionen aus dem Gleichgewicht ist, stockt die Organisation. Und meistens ist dann die Führungskraft schuld — obwohl sie das Problem weder verursacht hat noch lösen kann.

Die Diagnose, die niemand stellt

In jedem Transformationsprozess, in dem ich involviert war, gab es denselben Moment: den Moment, in dem jemand sagte: „Wir müssen X besser kommunizieren“ oder „Y muss klarer führen.“

Selten fragte jemand: „Warum kommuniziert X so? Welche Strukturbedingung erzeugt dieses Verhalten?“

Das ist der Unterschied zwischen Symptombehandlung und systemischer Diagnose.

In jedem Transformationsprozess, in dem ich involviert war, gab es denselben Moment: den Moment, in dem jemand sagte: „Wir müssen X besser kommunizieren“ oder „Y muss klarer führen.“

Selten fragte jemand: „Warum kommuniziert X so? Welche Strukturbedingung erzeugt dieses Verhalten?“

Das ist der Unterschied zwischen Symptombehandlung und systemischer Diagnose.

Was das konkret bedeutet

Systemische Führung heißt nicht, die Person aus der Verantwortung zu nehmen.
Es heißt, den Kontext zu verstehen, in dem Führung gelingt oder scheitert.

Eine Führungskraft, die im falschen System führt, wird scheitern — auch wenn sie brillant ist. Eine mittelmäßige Führungskraft im richtigen System wird überraschen.

Die Frage ist nicht: „Haben wir die richtigen Führungskräfte?“
Die Frage ist: „Haben wir das richtige System, damit Führung wirkt?“

Und wissen Sie, was die gute Nachricht ist? Systeme kann man verstehen. Und verändern. Dafür braucht man kein neues Recruiting. Dafür braucht man nur eins: Klarheit.

Was „Führung als System“ konkret bedeutet — und wie systemisches Coaching damit umgeht.

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