Ein Kompass für Führung in der Krise
Wenn Unsicherheit zum Alltag wird
Krisenzeiten stellen Führungspersönlichkeiten seit jeher vor besondere Herausforderungen. Inmitten komplexer Veränderungen, steigender Erwartungen und wachsender Unsicherheit geraten traditionelle Führungsansätze häufig an ihre Grenzen. In solchen Situationen zeigt sich nicht nur fachliche, sondern vor allem persönliche Reife.
Ein oft übersehener Aspekt: Führung wird in der Krise nicht neu erfunden – sie wird entblößt.
Führung kann sich dann schnell wie ein einsamer Kampf anfühlen.
Automatisierte Verhaltensmuster, unbewusste Steuerungsmechanismen und innere Antreiber treten in den Vordergrund.
Wer diese erkennt und reflektiert, kann auch unter Druck wirksam führen.
Das 360° Leadership Circle Profil© (LCP) bietet einen strukturierten Rahmen, um genau diese Aspekte sichtbar und bearbeitbar zu machen. Der folgende Beitrag beleuchtet, wie dieses Instrument funktioniert und welchen Nutzen es insbesondere in unsicheren Zeiten entfalten kann.
Die unsichtbare Last der Führung
In Gesprächen mit Führungskräften auf mittlerer und oberer Managementebene wird deutlich, dass viele Herausforderungen nicht auf der operativen Ebene liegen.
Vielmehr geht es um innere Spannungen, emotionale Dilemmata und ungelöste Fragen wie:
- Wie viel Nähe zum Team ist professionell – und ab wann wird sie als Schwäche interpretiert?
- Wie lässt sich Kontrolle ausüben, ohne ins Mikromanagement zu verfallen?
- Wie kann in Situationen wirksam geführt werden, in denen selbst die Führungskraft keine klaren Antworten hat?
Diese Themen werden selten offen diskutiert, beeinflussen jedoch maßgeblich die Qualität von Führung. Gerade in der Krise verstärken sich bestehende Muster – häufig unbewusst und oft unreflektiert.
Was ist das Leadership Circle Profil©?
Das Leadership Circle Profile© ist ein wissenschaftlich fundiertes 360°-Feedbackinstrument, das sowohl das äußere Verhalten als auch die inneren Antreiber von Führungspersonen erfasst.
Es integriert Erkenntnisse aus Psychologie, Managementforschung und Persönlichkeitsentwicklung in einem Modell, das nicht nur Symptome aufzeigt, sondern deren Ursachen.
Das Profil basiert auf zwei zentralen Dimensionen:
- Reaktives Führungsverhalten: Verhaltensweisen, die aus defensiven Mustern entstehen – z. B. übermäßige Kontrolle, Harmoniestreben oder Zurückhaltung.
- Kreatives Führungsverhalten: Verhaltensweisen, die aus einem bewussten, reflektierten Selbstbild hervorgehen – z. B. Zielklarheit, Integrität oder systemisches Denken.
Das Besondere am LCP: Es verknüpft Leistung und Bewusstsein miteinander.
Es geht nicht darum, wer die Führungskraft ist (!), sondern wie sie wirkt und warum sie auf eine bestimmte Weise handelt.
Reaktive Muster – wenn Gewohnheit zur Schwäche wird
Das Modell unterscheidet zwischen verschiedenen reaktiven Ausprägungen, die vor allem unter Druck sichtbar werden:
- Kontrollmuster: Hoher Fokus auf Perfektion und Detailtreue; häufig gekoppelt mit einem Misstrauen gegenüber Delegation.
- Zustimmungsmuster: Überangepasstes Verhalten aus Angst vor Ablehnung; Entscheidungen werden verzögert oder verwässert.
- Zurückhaltungsstrategien: Emotionale Distanz, um keine Angriffsfläche zu bieten; oft gepaart mit dem Verlust von Nahbarkeit.
Diese Muster sind nicht per se negativ. Sie können in bestimmten Situationen durchaus hilfreich sein.
Problematisch wird es jedoch, wenn sie unbewusst die Führung dominieren – insbesondere in Krisenzeiten, in denen Agilität, Mut und klare Kommunikation gefragt sind.
Kreative Führung – Haltung statt Reaktion
Dem gegenüber stehen kreative Führungsqualitäten. Sie zeichnen sich durch eine höhere Selbstreflexion, ein klares Wertebewusstsein und systemisches Denken aus:
- Authentizität: Kongruenz zwischen Denken, Fühlen und Handeln.
- Ziel- und Ergebnisorientierung: Klare Ausrichtung ohne operative Hektik.
- Integrität: Konsequenz im Handeln auf Basis von Werten – auch unter Druck.
Führungspersönlichkeiten, die in diesen Bereichen stark ausgeprägt sind, agieren bewusster, klarer und wirksamer – gerade in unsicheren Situationen.
Der Mehrwert des LCP
Das Leadership Circle Profil© liefert eine grafisch und inhaltlich dichte Auswertung, die sowohl Eigen- als auch Fremdwahrnehmung abbildet. Dabei wird deutlich, in welchen Bereichen Diskrepanzen bestehen – z. B. wenn eine Führungskraft sich als klar und entscheidungsfreudig sieht, das Team sie jedoch Unentschlossenheit erlebt.
Darüber hinaus werden die darunterliegenden Glaubenssätze sichtbar gemacht, die bestimmte Verhaltensmuster antreiben. Diese Bewusstmachung bildet die Grundlage für gezielte Entwicklungsprozesse, die über rein methodische Trainings deutlich hinausgehen.
Führung in der Krise beginnt mit Selbstklärung
Krisen erzeugen Druck. Unter Druck greifen Menschen auf vertraute Muster zurück – auch Führungskräfte.
Wer in diesen Situationen nicht nur reagiert, sondern reflektiert, erhöht die eigene Wirksamkeit erheblich.
Das Leadership Circle Profil© liefert hierfür keine Patent-Rezepte, sondern strukturiert relevante Erkenntnisse über das eigene Führungsverhalten.
Es macht sichtbar, wo Selbst- und Fremdbild auseinanderfallen, welche Verhaltensmuster durch unbewusste Überzeugungen gesteuert werden – und wie diese Muster durch bewusste Entwicklungsarbeit verändert werden können.
Bewusstsein als Schlüssel zur Führungskompetenz
Wirksame Führung basiert nicht auf mehr Wissen oder besseren Tools.
Sie basiert auf vertiefter Selbstwahrnehmung und einem reflektierten Umgang mit inneren Mustern.
Das Leadership Circle Profil© kann als ein strukturierter Kompass dienen, um diese Selbstklärung zu ermöglichen.
Wer als Führungskraft bereit ist, sich nicht nur mit äußeren Anforderungen, sondern auch mit den inneren Dynamiken des eigenen Handelns auseinanderzusetzen, legt die Grundlage für langfristige Wirksamkeit – auch und gerade unter Druck.
